Vollmond am Himmel

Stirnlampen und der Vollmond Standard

Der romantischste Standard der Welt

Der Vollmond Standard ist ein sehr einfacher Test für Hersteller von Stirnlampen. Mit Hilfe des Standards kann die Leuchtdauer einer Stirnlampe mit einer frischen Batterieladung ermittelt werden. Zugrunde liegt die Idee, dass eine klare Vollmond Nacht für das Auge hell genug ist um ausreichend sehen zu können. Die Helligkeit einer solchen Nacht ist immer 0.25 Lux. Beinahe überall auf unserer Erde.

Versuchen Sie sich an Ihre letzte klare Vollmondnacht zu erinnern, haben sie mit Sicherheit das Bild einer hellen Nacht in Kopf. Durchaus hell genug um ohne Stirnlampe den richtigen Weg zu finden.

Die Hersteller von Stirnlampen und Taschenlampen scheinen so grossen Gefallen an diesem Szenario gefunden zu haben, dass sie sich entschieden haben es für ihre Zwecke nutzen. Als Referenz für die minimalste Helligkeit die eine Stirnlampe produzieren sollte.

Stoppuhr und Stirnlampe

Der Test einer Stirnlampe könnte so aussehen: Man lädt die Lampe mit frischen, vollen Batterien und schaltet sie ein. Man lässt sie so lange brennen, bis ein Messgerät die mindestens erforderlichen 0.25 Lux meldet. Die Zeit bis zu diesem Zeitpunkt ist die maximale Brenndauer der Stirnlampe. Hmmm…hört sich doch ganz gut an. Ist es aber nicht.

Denn das einzige was dieser Test produziert ist eine ungeheuerlich lange Brenndauer und der Glaube der Kunden, dass eine Stirnlampe mit 0.25 Lux hell genug ist um genau so gut sehen zu können wie in einer klaren Vollmondnacht.

Licht nicht richtig verstanden

Das Problem hier ist das mangelnde Verständnis von Licht und dessen Wahrnehmung im menschlichen Auge. Auch wenn sich der Vollmond Standard zunächst gut anhört, so ist er für den Kunden sehr irreführend.

Wenn wir über Sonnenlicht oder Mondlicht sprechen, sprechen wir über eine „Lichtquelle“ die enorm weit weg ist. Die Lichtstrahlen treffen unsere Erde in parallelen Strahlen wie ein einziger grosser Strahl. Das heisst, wohin wir auch schauen, wir sehen immer die gleiche Stärke von Beleuchtung.

Landschaft unter Vollmond

Image above: This is how most of us remember a clear Full Moon Night

In einer klaren Vollmondnacht messen wir also 0.25 Lux überall um uns herum. Auf dem Weg, dem Feld und auf jedem Gegenstand -auf allem. Und wo Licht ist, ist auch Reflektion. Jeder Feldweg oder Gegenstand reflektiert das Licht auch wieder. Nicht viel, aber genug um einen noch homogeneren Eindruck zu erzeugen.

Das menschliche Auge kann mit solchen Lichtbedingungen perfekt umgehen. Die Pupillen haben genug Zeit um sich zu weiten und sich anzupassen. Anders als bei ständig wechselnden Lichtbedingungen. Sie öffnen sich und bleiben offen. Das Resultat ist, dass wir noch besser sehen und uns deshalb eine klare Vollmondnacht immer als helle Nacht in Erinnerung bleibt.

Ein kleiner Fleck Mondlicht also

Wir möchten diese schöne helle Vollmond Nacht mit einer von uns gewählten zufälligen Situation vergleichen: Sie sind in den Bergen unterwegs und Ihre Tour dauert schon wesentlich länger als geplant. Mittlerweile ist es dunkel. Der Mond ist hinter den tiefen Wolken kaum zu erkennen. Zu allem Unglück sind die Batterien der Stirnlampe schon fast leer.

Der kleine Lichtfleck vor Ihnen hat vielleicht noch 0.25 Lux – verteilt auf der Fläche eines Fahrradreifens. Alles andere darum herum ist dunkel. Sie schauen also auf einen kleinen Flecken Mondlicht. Wie ernüchternd!

Spot einer schwachen Stirnlampe

Uns genau darum geht es. Ein kleiner Flecken Mondlicht kann nicht mit einer klaren Vollmond Nacht verglichen werden. Oder irgendeinem visuellen Eindruck in solch einer Nacht. Aber genau das ist es, was uns dieser Standard vorgaukeln will. Und deshalb denken wir dass er irreführend ist. 0.25 Lux aus einer Stirnlampe sind nicht anderes als ein Tropfen auf einem heissen Stein. Dieser Standard ist einfach nicht geeignet um die Leuchtdauer von Stirnlampen zu bestimmen. Auch wenn viele Hersteller das so machen.

Das Notlicht

In einer Notsituation ist man sicherlich heilfroh über eine Stirnlampe die wenigstens noch 0.25 Lux produziert – als Notlicht, um überhaupt noch nach Hause zu kommen.

Trotzdem kann das kein Grund sein, 0.25 Lux zur gesamten Leuchtdauer einer Stirnlampe zu zählen. Die Hersteller sollten einen realistischeren Standard benutzen um das Ende der Leuchtdauer zu bestimmen. Zum Beispiel den ANSI FL1 Standard. Er definiert das Ende der Leuchtdauer sobald 10% der anfänglichen Lichtleistung erreicht sind

Wenn danach noch irgendein Licht produziert wird ist das natürlich grossartig, gerade in Notsituationen. Die Kunden sollten aber nicht glauben, dass 0.25 Lux Helligkeit in irgendeiner normalen Situation hilfreich sind.

Interessant zu wissen: Unsere Erfahrung mit Stirnlampen zeigt, dass 70-90% der Leuchtdauer in einem Bereich stattfinden der unterhalb der 10% der anfänglichen Helligkeit liegt. Zu verdanken haben wir das dem Vollmond Standard.

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